Stadtchronik


Die früheste Überlieferung Pfungstädter Wappen setzt in Form von Siegelabdrücken in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein. Zur Beurkundung amtlicher Vorgänge wurden kommunale Siegel vielfach mit Wappenbildern versehen, die aus früheren Kennzeichen entwickelt wurden. Ortszeichen oder Hausmarken dienten zur Kennzeichnung von Grenzen oder persönlichem Besitz und wurden in Stein oder Holz gehauen, gebrannt oder geritzt. Bei der Gestaltung der Wappenbilder wurden sie oftmals stilisiert oder nachträglich umgedeutet, um ihnen einen tieferen Sinn zu geben. Dadurch sind Interpretationen von Wappenbildern immer wieder mit großen Unsicherheiten verbunden, was nicht selten zu eher abenteuerlichen Vermutungen führt. Die heute in Hessen als kommunale Hoheitszeichen verwendeten Wappen sind nach dem Zweiten Weltkrieg amtlich genehmigt worden. Sie wurden nach Gutachten der Hessischen Staatsarchive vom Hessischen Innenministerium mit Erlass und Urkunde den Wappenführern verliehen. Für die Stadtteile Pfungstadts, d.h. für Eschollbrücken, Hahn und Eich, haben die Wappen seit der Eingliederung in die Stadt Pfungstadt nur noch symbolische Bedeutung. Die hier verwendeten Blasonierungen, das heißt die heraldischen Beschreibungen der Wappenbilder und Tinkturen (Farben), sind aus dem Hessischen Ortswappenbuch von 1956 entnommen. Allerdings ist es in einigen Fällen wie beispielsweise für Eschollbrücken überholt. Weitergehende Informationen stammen aus Gutachten des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt sowie Gesprächen mit Herrn Boss, Staatsarchiv Darmstadt, und Herrn Dr. Lehning, Eschollbrücken.



Bis zum 30-jährigen Krieg (1618-1648) erlebte Pfungstadt einen kontinuierlichen Aufschwung, die wirtschaftliche Grundlage dafür waren die zahlreichen Mühlen - 1630 waren es 14. Die Bevölkerung verdoppelte sich innerhalb eines Jahrhunderts, und man kann davon ausgehen, dass Pfungstadt am Vorabend des Krieges zu einer der größten Ortschaften in der Obergrafschaft Katzenelnbogen zählte.



Vermutlich im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde die Zent Pfungstadt eingerichtet, ein Gerichtsbezirk, der erstmals 1442 schriftlich erwähnt wurde und neben Pfungstadt mit den heutigen Stadtteilen Hahn, Eich und Eschollbrücken noch Griesheim, Eberstadt, Nieder-Ramstadt, Nieder-Traisa, Waschenbach und Nieder-Beerbach umfasste. Der Hinrichtungsort der Zent ist noch heute an der Straße von Pfungstadt nach Eberstadt zu sehen: Der Pfungstädter Galgen. Ab 1479 gehörten die Dörfer zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, was aber außer der Einführung der Reformation 1527 keine wesentlichen Veränderungen mit sich brachte.



Mit dem Niedergang des Reichsklosters Lorsch wurde dessen Besitz im Mühlendorf an der Modau zum Objekt unterschiedlicher Interessen. Der mächtige Erzbischof von Mainz, die Pfalzgrafen bei Rhein und die Schenken von Erbach stritten sich um die Erbmasse. Auch die Grafen von Katzenelnbogen, im 13. Jahrhundert Lehnsleute des Bischofs von Würzburg, waren an Pfungstadt interessiert. Ihnen gelang schließlich auch, sich der wichtigsten Rechte am Ort zu bemächtigen, nachdem sie schon 1312 die Ortsherren von Eschollbrücken geworden waren und Eich „ihr eigen“ nannten. Auch in Hahn, wo die Herren von Frankenstein noch lange über Besitz verfügten, gelang es den Grafen, ihre Rechte zu sichern.


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