Stadtchronik


1886 konnte der Betrieb der Nebenbahn Pfungstadt-Eberstadt eröffnet werden. Anlässlich der Einweihung wurde Pfungstadt am 20. Dezember zur Stadt erhoben. Damit war der Höhepunkt der Industrialisierung zunächst erreicht, denn gegen Ende des Jahrhunderts setzte erneut eine Krise ein, und viele der zahlreichen Arbeiter verloren ihre Arbeit. Die Stadt wandelte sich zu einer Arbeiterwohngemeinde, viele Arbeiter pendelten täglich nach Darmstadt und Frankfurt. Der Gemeinderat beschloß 1899 die Einrichtung eines Wasser- und Elektrizitätswerkes, 1902 den Bau einer modernen Kanalisation und einer Kläranlage und schloß mit der Umsetzung in den folgenden Jahren an die stadthygienischen Erfordernisse der Zeit an. Weitere städtebauliche Projekte mussten durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf Eis gelegt werden und konnten erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts realisiert werden. So entstanden entlang der Bahnhofstraße die ersten Doppelhäuser und die eingeschossigen Einzelhäuser in kostensparender Holzbauweise am unteren Mühlberg.



Das Eicher Wappen erscheint erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts anläßlich einer kurzen Periode der Selbständigkeit (1814-1821) auf den Siegeln der Gemeinde. Es ist das jüngste der hier besprochenen Wappen und die Deutung der Abbildung entfällt, da es sich hier um ein redendes Wappen handelt.



Wesentliche Impulse gingen von der Industrie auch auf die auflebende Bautätigkeit in der Stadt über. Exemplarisch sei hier auf die Entwicklung des Schulbauwesens hingewiesen. Einige Gebäude sind noch erhalten, auch wenn sie heute anderen Nutzungen dienen. Das älteste erhaltene Schulhaus befindet sich in der Seeheimer Straße 3, ein schlichtes Fachwerkgebäude, das als Mädchenschule diente, die steigende Zahl der Schülerinnen im 18. Jahrhundert aber nicht mehr aufnehmen konnte. 1810 wurde gegenüber der evangelischen Kirche in der Kirchstraße 28 eine neue Mädchenschule erbaut. Mehr und mehr trat die Massivbauweise neben den Fachwerkbau, wie auch die im klassizistischen Stil gehaltene, 1837/38 erbaute „Borngaßschule“ zeigt. Dort sind heute die städtische Bücherei und das Museum der Stadt untergebracht. In der Jahrhundertmitte wurde an der Stelle des heutigen Stadthauses in der Kirchstraße 12 eine weitere Schule errichtet. 1896 erhielt die „Höhere Bürgerschule“ in der Fabrikstraße ein neues Gebäude, in das 1923 die Mädchenberufsschule einzog.


1907 schließlich wurde die „Neue Schule“ an der Stelle der ehemaligen Gerberei Heß, hinter der Kirche gebaut. Die heutige „Goetheschule“ galt damals als eine der modernsten Schulen im Großherzogtum Hessen und wurde mit einer Turnhalle und einem Schwimmbad ausgestattet. Bis 1910 hatte auch in Eschollbrücken der schrittweise Ausbau der bestehenden Schule stattgefunden; die 1899 in Eich eingerichtete Schule mußte 1929 wieder aufgelöst werden, da zu wenig Schüler am Ort wohnten. Bereits 1857 war das „Joelsche Institut“ im Gasthaus „Zum Löwen“ in der Mainstraße 8 eröffnet worden, das als jüdische Privatschule zu einem international bedeutenden Kulturinstitut wurde. Es wurde als höhere Lehr- und Erziehungsanstalt nicht nur von jüdischen, sondern auch von Schülern christlichen Glaubens besucht. Das Gebäude überstand die Zeit bis 1969, dann wurde es abgerissen und heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an die Existenz dieser Einrichtung. 1838 hatte ein jüdischer Religionslehrer erstmals die Erlaubnis erhalten, den jüdischen Kindern Pfungstadts Unterricht zu erteilen. Dieser fand - für die Kleinen noch nach Einrichtung des Instituts - im Schulgebäude der jüdischen Gemeinde in der Hillgasse statt.



Einen Wendepunkt markieren die Kirchenneubauten des 17. Jahrhunderts, die der wieder allmählich anwachsenden Bevölkerung und den unerträglichen Zuständen der alten Bauten Rechnung trugen. Den Anfang machte Hahn, wo in den Jahren 1702 bis 1705 eine neue Kirche entstand. 1728 folgte Eschollbrücken, und von 1746 bis 1748 wurde die neue evangelische Pfarrkirche in Pfungstadt errichtet. Auch zahlreiche Fachwerkhäuser, die zum Teil bis heute erhalten geblieben sind, zeugen vom Wiederaufbau der Dörfer im ausgehenden 17. Jahrhundert bzw. des angehenden 18. Jahrhunderts.


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