Kulturhaus ehemalige Synagoge

Kulturhaus ehemalige Synagoge - Sehenswürdigkeit Pfungstadt
Kulturhaus ehemalige Synagoge - Decke

Im Brandkataster von 1812 findet man folgenden Eintrag: „Ist von der Judenschaft zur Synagoge erkauft worden und unten eingetragen. 18. Februar 1820“. Auf dem Gelände der Synagoge, welche sich heute noch im gleichen Zuschnitt befindet, wie vor fast 200 Jahren, standen ein „Neuhaus mit Nebenbau und Schweineställe“. Mit dem Kauf des Grundstücks bildete sich hier das Zentrum der jüdischen Gemeinde. Das größere der beiden Gebäude, das Neuhaus, wurde als Synagoge genutzt. In dem kleineren „Nebenbau“ tagte der Gemeindevorstand und die Kinder erhielten hier Religionsunterricht. Im Jahr 1895 erhielt dieser einen Anbau, in dem die Mikwe, ein Tauchbad, das zur Reinigung diente, eingerichtet wurde. Im Obergeschoss des Gebäudes befand sich eine kleine Wohnung des Vorsängers, gelegentlich wohnten hier auch zugezogene Mitglieder, bis sie eine anderweitige Unterkunft gefunden hatten.
In der Pogromnacht 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge und die des Gemeindehauses vollständig zerstört. Der sehr engen Bebauung ist es zu verdanken, dass beide Gebäude kein Raub der Flammen wurden. 1939 musste der letzte Vorsitzende der jüdischen Gemeinde das Gebäude an den hiesigen Ortsbauernführer verkaufen. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Synagoge als Lagerraum für die landwirtschaftliche Absatzgenossenschaft genutzt und im Innern wurde eine Zwischendecke eingezogen. Der entstandene Raum wurde erst als Materialraum verwendet, später als Wohnraum vermietet.
1990 erwarb die Stadt Pfungstadt das Gelände und sanierte die Synagoge ab 1999. Heute finden im „Kulturhaus ehemalige Synagoge“ kulturelle Veranstaltungen, Führungen, Besichtigungen und Trauungen statt. In das früher sanierte ehemalige Gemeindehaus konnte bereits 1999 das Stadtarchiv Pfungstadt einziehen.