PHUNGO 2020 und Corona

Das erste Wochenende des Phungo-Festivals, das auch an den beiden kommenden Wochenenden unter dem Motto "249 und Du" stattfinden wird, war trotz der nötigen Einschränkungen sehr erfolgreich und hat gezeigt, dass beides möglich ist: Sicherheit für alle Teilnehmenden und schöne, gemeinsame Stunden. Tagsüber bietet das Festival ein buntes Familienprogramm, mit Clowns, Theater, Zauberern oder Jongleuren. Am Abend unterstreicht das musikalische Entertainment die stimmungsvolle Atmosphäre. Ich möchte an dieser Stelle sowohl dem Veranstalter, als auch den Gästen für die gute und sichere Durchführung danken und im Folgenden erläutern, weshalb wir uns dazu entschieden haben, das Festival in dieser Form stattfinden zu lassen.

Vor kurzem wurden meine Familie und ich, aber auch andere Leserinnen und Leser des Darmstädter Echo, in einem Leserbrief (von einem Herrn Werner Huxhorn aus Pfungstadt) darüber in belehrt, dass ich gar kein "richtiger Bürgermeister" sei und es für einen solchen nun doch endlich mal Zeit werde. Die vorgebrachte Begründung für diese Erkenntnis: Wie kann der Herr Koch denn ein solches Festival, in Zeiten von Corona, überhaupt erlauben? Das sei ja unverantwortlich und wieder mal typisch. Mit Blick auf die Tirolreise der Feuerwehr sei ja ohnehin klar, dass der Bürgermeister es mit dem Virus nicht so genau nähme …

Meinungsfreiheit ist ein unverzichtbares Gut, aber jede Meinungsäußerung sollte auch ein Mindestmaß an Sachlichkeit enthalten und persönliche Angriffe unterlassen. Diese Grundregeln menschlichen Zusammenlebens und der Kommunikation werden leider zunehmend weniger beachtet – ob in Leserbriefen oder Kommentaren in sogenannten „Sozialen Medien“, stellenweise sogar im politischen Diskurs auf allen Ebenen.

Ich werde an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, wo ich das Niveau derartiger Verunglimpfungen verorte, das zudem jede sachliche Auseinandersetzung von vornherein ausschließt. Dennoch muss ich vor diesem Hintergrund erneut klarstellen, dass niemand von uns im März dieses Jahres bewusst oder vorsätzlich in ein Risikogebiet gereist ist. Tirol wurde zum Corona-Risikogebiet erklärt, als die Reisegruppe bereits vor Ort war. Somit hat sich auch keine Person aus dieser Gruppe dem Vorwurf der Verantwortungslosigkeit auszusetzen. Das Gegenteil ist richtig:
Die gesamte Reisegruppe hat sich unmittelbar nach der Rückkehr freiwillig in Quarantäne begeben, obwohl das zum damaligen Zeitpunkt nicht für alle Mitglieder erforderlich gewesen wäre. Wir haben damit sichergestellt, dass niemand aus dieser Gemeinschaft auch nur eine einzige Person außerhalb der Gruppe hätte infizieren können. Verantwortungslosigkeit sieht ganz sicher anders aus.

Wie verhält es sich aber mit dem Phungo-Festival? Letztlich gibt es auf allen Ebenen ganz unterschiedliche Diskussionen. Manchen gehen die Öffnungen - wie am Wochenende sogar in der Fußball Bundesliga zu sehen - zu weit, anderen wiederum nicht weit genug. Sicher ist: Ein erneutes "Runterfahren" des kompletten
öffentlichen Lebens wollen wohl die wenigsten. Künstlerinnen und Künstler, Gastronomiebetriebe, Theater, Kinos, Sportler und viele andere sind von der Öffnung ihrer Betriebe bzw. der Ausübung ihrer Berufe existentiell ebenso abhängig, wie die meisten anderen auch. Ein komplettes Veranstaltungsverbot kommt einem Berufsverbot fast gleich.

Jede diesbezügliche Entscheidung ist daher eine schwierige Abwägung zwischen „Vermeidung von größeren Menschenansammlungen“ einerseits und dem „Ermöglichen eines vertretbaren Minimums an Veranstaltungen“ andererseits. Vor eben diesem Hintergrund haben wir die diesjährige Pfungstädter Kerb leider absagen müssen, denn hier hätten die unverzichtbaren Sicherheitsvorkehrungen, mit Abstands- und Hygieneregeln, nicht eingehalten werden können. Bei dem nun stattfindenden Phungo-Festival, auf einem umzäunten Gelände, mit Abstand zueinander, Hygienemaßnahmen und Zugangskontrollen, verhält es sich gänzlich anders. Der Besuch dieser Veranstaltung birgt kein höheres Risiko, als der Besuch einer Gaststätte, eines Biergartens oder eines Supermarktes. Zudem handelt es sich um eine Freiluft-Veranstaltung, was das Risiko für eine Verbreitung des Virus deutlich reduziert.

Und selbstverständlich steht es auch hierbei jeder und jedem frei, selbst zu entscheiden, ob man daran teilnimmt oder eben nicht. Unser Ansinnen ist es, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten und unter Einhaltung aller geltenden Vorschriften, ein kleines Stück Normalität zu ermöglichen. Auch das gehört zu den Aufgaben einer Stadtverwaltung – in der nicht (wie offenbar häufig vermutet wird) der Bürgermeister allein und losgelöst von Magistrat und Fachleuten, Entscheidungen  trifft. Dies geschieht immer in enger Abstimmung und nach Abwägung der verschiedenen Interessen und Bedürfnisse.

Alle, die sich an diesem „kleinen“ Phungo-Festival erfreuen, lade ich herzlich ein, die Veranstaltungen an den beiden kommenden Wochenenden zu besuchen und dabei die vorgegebenen Regeln zum Schutze aller einzuhalten.

Herzliche Grüße

Ihr Bürgermeister
Patrick Koch