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Dienstag, 28. November 2006 |
Löwe mit Hufeisen
Ein roter Löwe auf goldenem Grund in der oberen Hälfte, drei silberne Hufeisen auf blauem Grund in der unteren Hälfte: So präsentiert sich das Pfungstädter Wappen, das schon seit etwa 700 Jahren existiert. Die Frage nach seiner Herkunft ist für den Heimatforscher, Stadtarchivar und Museumsleiter Valentin Liebig beantwortet: Auf einem massiven Leuchter im Pfungstädter Rathaus entdeckte er die Wappen früherer Herrscher: Die Grafen von Katzenelnbogen führten den Löwen in ihrem Signet, die Frankensteiner dagegen hatten die drei Hufeisen zu ihrem Zeichen gemacht. Beide Häuser herrschten einst über Pfungstadt, das Rathaus soll gar als Zeichen dieser Zweier-Herrschaft über die Modau gebaut worden sein: Südlich des Gewässers herrschten die Frankensteiner, auf dem anderen Ufer die Grafen von Katzenelnbogen. Über die Bedeutung der Hufeisen rätseln Heraldiker allerdings noch: Gab es hier viele Pferde?
Pfungstadt
25.800 Einwohner
42,53 qkm Gemarkungsfläche
Stadtteile: Eschollbrücken/Eich, Hahn und Pfungstadt
Verschwistert mit Figline Valdarno / Toscana - Italien, Retford / Großbritannien, Heviz / Ungarn und Gradignan / Frankreich.
Darüber hinaus gibt es partnerschaftliche Beziehungen zu Duttweiler in der Pfalz.
Der aus dem 12. Jahrhundert stammende hölzerne Galgen in Pfungstadt wurde wegen Einsturzgefahr Anfang des 17. Jahrhunderts durch einen steinernen Galgen ersetzt und steht noch heute. Ob hier wirklich Verbrecher hingerichtet wurden, ist nicht verbürgt, trotzdem wirkt der Ort gruselig.
Gebeine unterm GalgenDer Posträuber Gundermann hatte am 14. April 1780 die Kaiserliche Post zwischen Eberstadt und Bickenbach überfallen. Die Hinrichtung wurde nicht am Galgen, sondern an der Stelle des Überfalls vollstreckt. Einer der Mittäter, Johann Tobias Kiefer, genannt "Katzof" war allerdings schon vorher am Läusefraß eingegangen. Seine Leiche wurde mit dem Schinderkarren zum Galgen gefahren und dort verscharrt.
Wasserburg auf Wellberg?
Funde aus der Bronzezeit (1200 bis 800 v. Chr.) und sogar der Jungsteinzeit (2800 bis 2200 v. Chr.) zeugen von einer Jahrtausende alten Besiedlung. Im Jahre 785 wurde der Ort im Copialbuch der Benediktinerabtei Lorsch zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im 10. Jahrhundert hat es hier wahrscheinlich sogar eine Wasserburg gegeben, von der Wehranlage auf dem Wellberg sind heute noch Spuren zu sehen. 1479 kam der Zentort dann schließlich zu Hessen-Darmstadt.
Müller und TorfstecherVor allem das Mühlengewerbe war in der Gegend um Pfungstadt verbreitet, doch seit 1776 wurden hier auch Farben produziert. Im 19. Jahrhundert kam Zündholz-, Zigarren- und Papier-Industrie dazu, genauso Ziegelfabrikation. Wirtschaftlichen Aufschwung erlebte der Ort in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Torfstecherei im Pfungstädter Moor, bis um 1920 die Steinkohle Heizmittel wurde. Am 20. Dezember 1886 kam nicht nur die Bahn nach Pfungstadt, sondern die Gemeinde wurde zugleich zur Stadt erhoben.
Modernes PfungstadtBekannt ist die Stadt durch ihr gutes "Pfungstädter Bier", doch auch die beiden bekanntesten Fast-Food-Ketten beziehen ihre Hamburger-Brötchen bei einem hiesigen Backwarenhersteller, auch ein Farbenproduzent ist bekannt. In der Nachbarschaft liegen Eschollbrücken, 1122 zum ersten Mal erwähnt, Hahn, dessen Existenz seit 1335 verbürgt ist, und Eich, ein Ort, der seinen Namen den Eichenwäldern in der Umgebung verdankte und ebenfalls 1335 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Vier Grundschulen, eine Schule für Lernhilfe und eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe gibt es in Pfungstadt. Das Wellen- und Freibad freut sich über jeden Besucher und bittet attraktive Veranstaltungen nicht nur für Schwimmfans. Die attraktive City-Passage mit Tiefgarage lockt die Einkaufswilligen und lädt zum Bummeln ein. Mit dem Bau der Umgehungsstraße wurden Stadtkern und der Stadtteil Hahn entlastet. Für die Pfungstädter gibt es eine eigene Zulassungsstelle und seit 1998 einen ungewöhnlich konzipierten Betriebskindergarten mit erweiterten Öffnungszeiten. Bekannt ist die Stadt u.a. für das "Pfungstädter Moor" und die von 1960 bis 2000 in der Major-Karl-Plagge-Kaserne ansässige "Fachschule des Heeres für Erziehung und Wirtschaft".
Zentrum für Reiter und SportakrobatenBeim Gestüt Prinzenberg, Eigentum der "Dieter-Hofmann-Stiftung", können junge Talente, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel für ein eigenes Pferd verfügen, über mehrere Jahre ein "Leihpferd" bekommen. Nutznießer waren unter anderem Olympiasieger Ludger Beerbaum, Europameister Sönke Kuhrock und Mannschaftsweltmeister Otto Becker. Für sportlichen Ruhm sorgt auch das hiesige Bundesleistungszentrum für Sportakrobaten, in dem seit 1992 auf Weltniveau gearbeitet wird. Bekannt ist die Autobahnraststätte, ein "junges Baudenkmal" der Stadt, weniger bekannt dürfte sein, dass die weltweit verbreiteten "Sicherheitsdübel" in Pfungstadt erfunden worden sind. Schließlich befindet sich in der Stadt an der Modau auch noch eine von bundesweit zwei Notenstecher-Werkstätten, in der die Druckvorlagen für Notenblätter in akribischer Handarbeit hergestellt werden.
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